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volume 4
april 2001

Die Wagen in den Kampf

 





  Erinnerungen an Radio Nordsee International (Teil 13)
von Hans Knot
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  RNI-sticker aus 1973

Einige britische Seesender verfügten schon in den 60er Jahren über einen eigenen Auto-Rennstall mit denen sie an verschiedenen Rennen auf diversen Rennstrecken in England teilnahmen. Anfang der 70er Jahre fand dieses Phänomen auch an der niederländischen Seite der Nordsee seine Nachahmung. Sowohl die Sender Radio Veronica und Radio Caroline als auch der Seesender Radio Nordsee wurden in diesem Sport aktiv. Radio Veronica sponserte außerdem das Eishockeyteam HIJS aus Den Haag und den (schon zur damaligen Zeit im Profi-Fußball tätigen) Fußballverein Volendam. Hierdurch hatten die Sportvereine nicht nur einen Sponsor, sondern, da ihre Aktivitäten ausführlich in den Radioprogrammen besprochen wurden, auch noch eine gut laufende PR-Maschine. Wie sah das nun so aus rundum den Auto-Rennställen? Hans Knot besorgt ihnen einen kurzen Rückblick.

 
1 Auto 33 von das Radio Noordzee Datsun Racing Team auf dem Circuit von Zandvoort

Anfang 1973 konnte man über den niederländischen Service zum ersten Mal die Reklame für das Radio Nordsee Datsun Racing Team hören. Während des Zuhörens gingen meine Gedanken sofort in die Mitte der 60er Jahre zurück als Radio London und Radio Caroline über ihre eigenen Racing Teams verfügten. Vor allem das Team von Radio London brillierte regelmäßig auf der Rennbahn von Brands Hatch. Auch auf dem Radio selbst, gab es ein Programm über diesen schnellen Sport zu hören. Bei Radio London präsentierte Sterling Moss nämlich ein Programm, Racing with Moss, in dem der bekannten Rennfahrer allerlei Neuigkeiten auf dem Gebiet der Rennfahrerrei zum besten gab.

2 Radio Nordsee folgte dem guten Beispiel und präsentierte am Donnerstag, dem 5. April 1973, offiziell das Radio Nordsee Datsun Racing Team. Zufällig hatte ich einiger Wochen zuvor die Möglichkeit gehabt, um einen der zukünftigen Rennwagen anzuschauen. Es ging dabei um den Datsun Sunny von Rob van der Dong, der vor der ehemaligen Garage seines Vaters am Stationsweg im Groninger Haren geparkt war. Beginn 1973 kam ich dort häufiger vorbei, wenn ich auf dem Wege von Groningen nach Naarden war, wo ich regelmäßig die prächtige Niederlassung De Boeren Hofstede besuchte. Dort waren die studios von Radio Nordsee an Land angesiedelt.
3 Genauso zufällig war ich auch bei der groß aufgemachten Präsentation des Racing Teams anwesend. Die Beachtung war groß, denn mit der Erweiterung des bereits seit einigen Monaten bestehenden Teams gehörte das Team van Datsun urplözlich zu den größten Racing Teams der Niederlande. Durch die Erweiterung bestand das Team aus drei Rennfahrzeugen, drei Rallyeautos und zwei Rallyecrossern. Man war nicht eher auf den Niederländischen Rennstrecken aktiv gewesen, obwohl die verschiedenen Rennfahrer bereits die nötige Erfahrungen auf dem Gebiet des Rallyefahrens (London-Mexiko Race, Safari Race und TAP-Rallye) gesammelt hatten. Aber darüber später mehr.
4 Racing Team auto 32, Renfahrer Rob van der Dong, im Haren (foto: Karel Gerbers)

Natürlich lagen auch kommerzielle Interessen dem Unternehmen zu Grunde. Der japanische Autofabrikant Datsun hatte 1973 innerhalb der niederländischen Autobranche einen kleinen Marktanteil von 4 %. Mit Hilfe der Gründung dieses neuen Teams wollte man auch ein wenig zeigen, dass der Konzern weltweit im Wachstum befindlich war. Die Anwesenheit "Datsun" auf den Rennbahnen, so war der Gedanke, würde dies zum Ausdruck bringen können. Die Absicht bestand dann auch darin, dem Publikum zu zeigen, dass man mit den Autos von Datsun mehr tun kann als nur auf der Straße fahren. Man wollte bweisen, dass die Marke auch auf den Rennstrecken und Rallyetouren seinen "Mann stehen" konnte.

5 Eine Nebensächlichkeit war es, dass der Niederländische Auto Verein (NAV) zu dem Zeitpunkt die Betreibung der Rennstrecke von Zandvoort auf sich genommen hatte. In diesem Verein sah die niederländische Direktion des Datsun-Konzerns, unter Leitung von Marketingmanager Waringa, eine Förderung des Rennsports. In den echten Datsun-Rennwagen, den 240-Z, fuhren die Rennfahrer Rob Janssen und Hans Ernst. Sie traten in der Touristenwagenklasse 2 an, die zu diesem Zeitpunkt aus dem Gesichtspunkt der Publicity gesehen am attraktivsten war. Außerdem gab es den Datsun Cherry — man hört dies Ferry Maat noch in seinen Reklamespots aussprechen — gefahren durch Theo Koks.
6 Als Ko-Sponsoren hatte Datsun die Reifenfirma Dunlop und den Ölkonzern Castrol gewonnen, um das teure Unternehmen mit zu finanzieren. Dadurch wurde es außerdem zugleich möglich, um ein besseres Team zusammen zu bekommen. Als Ko-Passagier von Koks wurde André Jetten verpflichtet, der früher schon einmal niederländischer Meister gewesen war. Sie traten in der 1600 SS Klasse an, genauso wie ein anderes Datsun-Team, das der Gebrüder Bijvelds. Außerdem bestand das Team aus Hans Ernst und Rob van der Dong, die unter anderem im Rallyecrossen aktiv waren und aus Han Tjan und Dick Buwalda, die in einem Datsun 1200 Coupé die Siegerlorbeeren zu holen probierten.
7 Racing Team auto 32, Renfahrer Rob van der Dong im Haren (foto: Karel Gerbers)

Der damals schon bekannte Hans Grimmelt fungierte als Teammanager. Dabei wurde er durch ein technisches Team, bestehende aus Henk van Zalingen, Gerrit van Zijderven und Rob Janssen, unterstützt. Bis zum Ende der Sendeperiode von Radio Nordsee (31. August 1974) wurden danach mit großer Regelmäßigkeit diverse Wettbewerbe angekündigt. Wenn man allerdings die diversen Programmbänder nun wieder anhört, dann wird man nirgends die Resultate der Wettbewerbe zu hören bekommen. In diesem Punkt scheiterte Radio Nordsee deutlich.

8 Die Frage dringt sich auf: War das Team nun eigentlich erfolgreich? Ein Telefongespräch mit Rob van der Dong brachte uns, 26 Jahre nach dato, die Antwort: Ohne weiteres. Durch das Racing Team wurde der Markenname Datsun deutlich bekannt, wodurch der Marktanteil stark wuchs. Nach dem close-down von Radio Nordsee ist das Team auseinandergefallen. Ich selber bin dann für das Racing Team, das durch Randstad Uitzendbureau gesponsert wurde, gefahren. Das war damals eine deutliche Positionsverbesserung. Hans Ernst ist in der Rennfahrerei aktiv geblieben und ist gegenwärtig Direktor der Rennbahn in Valkenswaard." Rob van der Dong darf in übrigen auch nicht klagen, denn er steht heutzutage an der Leitung einer der größten Autowerkstattbetriebe in Nord-Niederlande.
   
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  Original-Titel: De wagens in de strijd. RNI Memories (13). Aus dem Niederlandischen übersetzt von Jana Knot. In den Index Erinnerungen an Radio Nordsee International findet man die übrigen Ablieferungen aus dieser Reihe.
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