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volume 13
november 2010

Magnum Magnum

 





 
  • Rezension von: Brigitte Lardinois (Hrsg.), Magnum Magnum. München: Schirmer/Mosel, 2009 (mit 413 Fotografien in Farbe und Duotone)
von Hans Durrer
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  Im Jahre 2007 feierte die Photoagentur Magnum ihren 60. Geburtstag mit einer grossformatigen — und damit ihrer Reputation entsprechenden — Festschrift, die schnell vergriffen war. Jetzt erschien eine dritte Version in einem kleineren Format. Hans Durrer blätterte durch die Seiten auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, was eigentlich ein Foto zum Magnum-Foto macht.
 
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Magnum feiert Magnum. Als im Jahre 2007 die Photoagentur Magnum — die Bezeichnung "legendär", ohne die Medienmenschen offenbar nicht über diese Agentur schreiben können, lassen wir für einmal weg, da eh nicht so recht klar ist, was damit eigentlich gemeint ist (und überhaupt, Magnum ist ja nicht tot, es gibt sie nach wie vor) — ihren 60. Geburtstag feierte, veröffentlichte Schirmer/Mosel eine grossformatige Festschrift, die ganz schnell vergriffen war, wie übrigens auch die ein Jahr später erschienene leicht verkleinerte Neuauflage.

Was nun vorliegt ist die dritte Version und zwar im Small-Size-Format und als Flexbroschur, welche der Verlag so richtig bescheiden, als "das grösste, schönste und authentischste Buch über die Agentur und ihre Photographen, das es jer gab!" bezeichnet. Bescheidenheit ist auch Stuart Franklins Sache nicht, für den das Buch ein "einzigartiger Blick in Herz und Seele der besten Bildagentur der Welt" ist. Nun gut, Franklin ist der Präsident von Magnum Photos und so ist ihm sein Selbstlob nachzusehen — genauso wie dem Schirmer/Mosel Verlag.

2 Eine clevere Idee. Sich selber über den grünen Klee zu loben, mag nicht besonders fein sein, heisst aber eben noch lange nicht, dass das Lob nicht verdient ist. Also: ob Magnum die beste Bildagentur der Welt ist, wer will das schon sagen können, doch dass dies wirklich ein ganz aussergewöhnliches Buch ist, darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Es gibt ja so recht eigentlich Magnum Bücher zuhauf, da also noch etwas zu machen, dass den üblichen Rahmen guter Photobücher sprengt, ist mehr als bemerkenswert. Und was braucht es, um den Rahmen des üblichen zu sprengen? Eine clevere Idee — und deren genauso clevere Umsetzung.
 

Links: Fairway Motor Inn — 2005 © Alec Soth / Magnum Photos

Die clevere Idee hatte Martin Parr, also derjenige Magnum Fotograf, dessen Aufnahme in die Agentur zu heftigen Auseinandersetzungen geführt hatte. Ich selber bin kein Fan seiner Bilder, doch sein Buchkonzept ist bestechend und — angesichts der Animositäten, die in jeder Familie, und damit auch der Magnum-Familie, vorkommen — einigermassen heikel: die Magnum Fotografen wurden gebeten, eine Auswahl aus dem Werk eines oder mehrerer ihrer Kollegen zu treffen und diese dann zu kommentieren.

  Man kann sich unschwer vorstellen, was für eine diffizile Aufgabe die jeweiligen Zuordnungen darstellten — das Konzept konnte auch nicht hundertprozentig durchgehalten werden, so wählte Dennis Stock, zum Beispiel, seine Arbeiten selber aus — doch wer wem zugeordnet wurde, soll hier nicht verraten werden, nur soviel: der Herausgeberin ist ein Meisterwerk gelungen.
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Rechts: Verschleierte Frau im "Wild Wadi Water Park", Dubai, Vereinigte Arabische Emirate — 2006 © Thomas Hoepker / Magnum Photos

Was ist ein Magnum-Foto? Das Einzige, was nicht besonders überzeugt, ist der Text "Was ist ein Magnum-Foto?" Man weiss am Schluss der Lektüre eigentlich genau so viel wie am Anfang. Nämlich: dass es sich einer Definition entzieht, weil es ein Magnum-Foto so recht eigentlich gar nicht geben kann (auch wenn man sich vorstellen kann, dass das René Burri Foto von São Paulo auch von Henri Cartier-Bresson hätte sein können), doch dass man manchmal zu spüren vermeint, was das ist, ein Magnum-Foto — und man sich dabei natürlich genauso oft auch irren kann.

   
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